Inderaktiv – Insights aus einem deutsch-indischem Interview

Inderaktiv – Insights aus einem deutsch-indischem Interview


 

Namaste lieber Leser,

was erwartet Sie, wenn Sie als Deutsche(r) ein halbes Jahr in Indien leben und arbeiten? Wir haben für Sie ein Interview geführt mit dem Redakteur und Geschäftspartner Kay Barton, der uns einen Einblick in seine persönlichen Erfahrungen der Herausforderungen des indischen Alltags gibt. Lesen Sie heute seine lebendigen Eindrücke und Anekdoten.


Interview mit Herrn Kay Barton


 
Kay Barton
Kay Barton (35) arbeitet als Redakteur in einem süddeutschen Zeitschriftenverlag, welcher sich seit Ende der 90er Jahre thematisch auf die Herstellung und Verarbeitung von PET-Flaschen spezialisiert hat und in über 140 Ländern das englischsprachige Fachmagazin "PETplanet Insider" herausgibt.
Im Rahmen der Berichterstattung trifft Kay weltweit regelmäßig Branchenführer und -kenner aus Anwender- und Zulieferindustrie und analysiert die Entwicklungen der unterschiedlichen Märkte, sowie deren Besonderheiten.

Your success in India (YSII): Kay, Deine Karriere führt Dich durch viele Länder – warum reihte sich Indien ein und welche beruflichen Aufgaben und Herausforderungen bewältigst Du dort?

Kay: Ich habe meine erste Indienerfahrung 2008 gemacht, als mein Unternehmen mich im Rahmen einer Messeveranstaltung nach Mumbai schickte. Leider handelte es sich um genau den Zeitraum, in dem die Anschläge in Mumbai verübt wurden. Die ganze Stadt versank damals in Angst und Chaos und ich mittendrin. Dennoch hat dieses Ereignis meine Beziehung zu dem Subkontinent nicht getrübt. Ich bin nach den Anschlägen nach längerer Überlegung meinem ursprünglichen Plan gefolgt und habe vier Wochen lang den Süden bereist. Diese Erfahrung war lebensprägend. Inzwischen reise ich quasi jährlich ein- oder mehrfach nach Indien, um Kunden oder Fachveranstaltungen zu besuchen, meistens gepaart mit etwas Urlaub im Anschluss. Das Land wirkt auf die meisten „Newbies“ in der Regel erst einmal verstörend, weil die Flut an Eindrücken endlos scheint. Auch die Mentalität dort ist für manchen Westeuropäer sicherlich befremdlich. Wenn man sich jedoch auf dieses Land einlässt, dann läuft aus meiner Erfahrung alles wie von selbst – vorausgesetzt, man verlässt auch mal die gewohnten westeuropäischen Pfade im Business.
 

YSII: Du tourst als Redakteur mit einem umgebauten Truck durch die abenteuerlichsten Länder um Road Shows durchzuführen und Kunden zu besuchen und für Euer Fachmagazin zu interviewen. Habt ihr das auch für Indien vor und was würde Dich typischerweise in diesem Land erwarten?
 
Kay: Ja, das stimmt, das steht auf unserer Agenda, vermutlich in den kommenden drei Jahren. Mir graut es jetzt schon vor innerstädtischen Verkehrssituationen. Gerade in den Städten ist der Verkehr zwar im Fluss, aber für einen Nicht-Inder unmöglich zu durchschauen. Zweispurige Straßen werden für gefühlte zehn Fahrzeugreihen genutzt, dazu sind noch Fußgänger, Kühe, Hühner und Affen unterwegs. Sehr unübersichtlich. Auch sind die Straßen in weiten Teilen in einem desolaten Zustand. Ich tippe mindestens mal auf platte Reifen während der Tour, hoffentlich nur kleinere Blechschäden und interessante Begegnungen mit der Polizei. Ich weiß aber auch, dass die Neugierde der Bevölkerung riesig sein wird und jedes Problem gelöst werden kann. Inder helfen, wo sie nur können. Vermutlich werden wir während der Tour zu Familien eingeladen, werden ständig fantastisch schmeckendes Essen genießen können und unglaubliche Landschaften durchqueren.

YSII: Du hast 2011 mit Deiner jetzigen Frau auch 6 Monate in Bangalore gelebt. Was vermisst Du jetzt noch, seit Du wieder in Deutschland bist – geschäftlich und privat?
 
Kay: Zunächst einmal natürlich das Wetter. Selbst zu Monsunzeiten habe ich das warme Klima immer sehr gemocht und im deutschen Winter ist es dort einfach super. Am meisten aber vermisse ich wohl die Positivität der Menschen, die omnipräsente Spiritualität und die zwischenmenschlichen Ebenen, die auch in geschäftlichen Beziehungen eine wichtige Rolle spielen. Prinzipiell und konträr zu den chaotisch anmutenden Städten ist geschäftlich und auch privat vieles dort entschleunigt und nimmt sich Zeit. In meinen Businesserfahrungen beispielsweise hatte ich dennoch selten den Eindruck, dass durch diese natürlichen Verzögerungen eine gewisse Ineffizienz vorhanden war.

YSII:  Was ist für ein deutsches Paar, das in Indien lebt, anders als Zuhause? Wo musstest ihr Euch umstellen?
 
Kay: In der ersten Nacht nach Ankunft in Bangalore lief erst einmal alles schief. Das Gepäck war am Flughafen verschwunden und wir hatten einen Rohrbruch beim ersten Hahnaufdrehen in der neuen Wohnung. Wir sind dann nach der langen Reise im Morgengrauen ungeduscht und übermüdet in der Nachbarschaft herumgeirrt, haben natürlich einen geöffneten Shop gefunden (um 4:30 morgens oder so) und der uralte Besitzer stellte uns ein Paket aus allen wichtigen Hygieneartikeln zusammen. Währenddessen reparierte ein etwa 15jähriger Sicherheitsmann den Rohrbruch und am kommenden Tag kamen unsere Koffer in die neue Wohnung. Probleme lösen sich einfach. Beim Essen mussten wir auf vieles verzichten, hatten dafür aber auch etliche Neuerfahrungen. In den meisten Lebensmittelmärkten in direkter Umgebung gab es keine für uns brauchbaren Käse- oder Wurstprodukte. Später fanden wir auch hier Läden, man musste nur immer dreimal prüfen, ob der Inhalt nicht schon schimmelt. Ab und zu schickten uns auch Freunde Care-Pakete mit Wurst in Dosen. Häufig waren die Pakete dann an einer Ecke geöffnet worden und jemand hatte auf dem Weg zu uns bereits genascht. Meine Frau hat oft der permanente Lärm der Straßen genervt, vor allem nachts. Zu unserer Zeit herrschte in Bangalore eine extrem frühe Sperrstunde, um 22 oder 23 Uhr. Kein Problem, dann ging man eben schon um 17 Uhr in den Pub oder Club. Tanzen war trotz lauter Musik zu dem Zeitpunkt per Gesetz in der Stadt verboten, man durfte also nur stehen. Das fanden wir seltsam.

YSII: Angenommen, Du würdest mit Deiner langjährigen Indien-Erfahrung interkulturelle Trainings Indien für deutsche Firmen geben – was würdest Du auf jeden Fall eindringlich an Geschäftsleute vermitteln wollen?
 
Kay: Man sollte das anstehende Geschäft mit Ruhe und Besonnenheit angehen. Inder entscheiden vieles aus dem Bauch heraus und hören auf ihr Gefühl. Sympathie ist da unabdingbar. Und vermeintlich chaotische Zustände sollten einen nicht aus der Fassung bringen, am Ende wird alles gut.

YSII: Du bist privat leidenschaftlicher DJ und hast auch in Indien als DJ gearbeitet – welcher Musiktitel beschreibt Indien für Dich am besten?
 
Kay: Aneela mit „Chori Chori“ von 2006 (basierend auf Snow’s Informer, 1992) - das war einer der Songs, die mich in meinem ersten Goa-Besuch 2008 begleitet haben.

YSII: Vielen Dank, Kay, für das anschauliche und interessante Interview!
 


Veranstaltungstipp



Der OAV – German Asia-Pacific Business Association – lädt Sie herzlich ein zu einer Markterkundungsreise nach Indien mit dem Schwerpunkt Nahrungsmittelverarbeitung, Lagerung, Verpackung und Kühltechnologie. Im Auftrag des BMWi führt der OAV in Kooperation mit der Deutsch-Indischen Handelskammer und mit Unterstützung des VDMA die Reise nach Bengaluru, Kolkata und Delhi vom 30. November bis 4. Dezember 2015 durch.

Einen Flyer mit allen Informationen auch zum Programm finden Sie hier.

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme und Anmeldung bis zum 2. Oktober – hier gehts zum Anmeldeformular! Vermerken Sie gerne auch darauf, wenn Sie über Your success in India von der Veranstaltung erfahren haben.
 
Herzliche Grüße,

Ihre Martina Maciejewski
Inhaberin / Owner
www.success-in-india.com

 
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